Aufgeklappte Schachtel, darin rechts eine Zeichnung mit einer Widmung. Links ist die Deckelinnenseite zu sehen, auf der Heinrich Hirschbergs Exlibris klebt. Es zeigt im Vordergrund ein aufgeschlagenes Buch auf einem Tisch, im Hintergrund ist durch einen Fensterrahmen eine Fabrik zu erkennen.

Provenienz­forschung

Die Stiftung Deutsches Technikmuseum Berlin überprüft ihre Bestände auf NS-Raubgut.

Ein Stück Erinnerung zurückgeben

Auf der Titelseite eines aufgeschlagenen Buches sind mittig unter der Überschrift „Le fond de la mer“, französisch für „Der Meeresboden“ Abdrücke von zwei Bibliotheksstempeln zu erkennen.
Die Titelseite des Buchs „Le fond de la mer“ trägt zwei Stempelabdrücke. Bibliotheken verwenden Stempel, um ihr Eigentum zu kennzeichnen. Der rote Abdruck mit zwei Hakenkreuzen wurde ab 1936 vom Institut und Museum für Meereskunde in Berlin verwendet. Der blaue Stempel führte das Deutsche Technikmuseum zur ursprünglichen Eigentümerin des Buches, der französischen Mädchenschule in Pontlevoy.
SDTB / C. Kirchner

Das Deutsche Technikmuseum hat am 7. Dezember 2021 ein Buch zurückgegeben, das von deutschen Besatzungstruppen während des Zweiten Weltkriegs in Frankreich geraubt wurde. Es handelt sich hierbei um die erste Rückgabe des Museums, die das Ergebnis eines vom Deutschen Zentrum Kulturgutverluste geförderten Forschungsprojekts zur Herkunft der Museumsobjekte im Deutschen Technikmuseum ist. Zurückgegeben wurde das 1920 publizierte Buch „Le fond de la mer (Der Meeresgrund)“ des französischen Meereszoologen Louis Joubain, das die Meere und ihre Bewohner beschreibt.

Die Herkunft des Buches konnte durch einen Stempelaufdruck auf dem Titelblatt ermittelt werden. Dieser führte das Team der Provenienzforschung ins französische Pontlevoy. In dem kleinen Ort in der Nähe von Tours befand sich früher eine Mädchenschule, aus der das Buch geraubt wurde. Heute befindet sich an gleicher Stelle das Lycée catholique de Pontlevoy, dessen Leiter das Buch im Beisein der Schülerinnen und Schüler entgegennahm.

Bestandsüberprüfung

Das Deutsche Technikmuseum sammelt technisches Kulturgut aller Art. Dazu gehören nicht nur Großobjekte wie Lokomotiven, Flugzeuge und Schiffe, sondern auch zahlreiche Gegenstände des Alltagslebens, wie Radios, Schreibmaschinen, Fahrräder oder Fotoapparate.

Doch wie kamen diese Gegenstände ins Museum und vor allem: Wem gehörten sie zuvor?

Im Jahr 2017 hat das Museum begonnen, in seinen Sammlungen nach Objekten zu suchen, die während der NS-Zeit ihren zumeist jüdischen Eigentümern zu Unrecht entzogen wurden. Zunächst wurde die Sammlung historischer Kraftfahrzeuge auf ihre Provenienz hin überprüft.

Vom Mai 2019 bis Mai 2020 entwickelte das vom Deutschen Zentrum Kulturgutverluste geförderte Modellprojekt „Identifizierung von NS-Raubgut in technikhistorischen Sammlungen“ Methoden zur systematischen Bestandsüberprüfung.

Darauf aufbauend begann im Anschluss die tiefer gehende Untersuchung der Sammlungen. Das auf zwei Jahre ausgelegte Projekt „Identifizierung von NS-Raubgut in den zwischen 1982 und 1989 inventarisierten Beständen des Deutschen Technikmuseums“ wird erneut vom Deutschen Zentrum Kulturgutverluste gefördert.

Projektleitung

Peter Schwirkmann

Leiter Sammlungsdienst

schwirkmann@technikmuseum.berlin

Tel 030 902 54 157

Provenienzforschung

Elisabeth Weber

weber@technikmuseum.berlin

Tel 030 902 54 455

 

Peter Prölß

proelss@technikmuseum.berlin

Tel 030 902 54 457

Förderung

Das Projekt wird gefördert vom Deutschen Zentrum Kulturgutverluste.

Logo: Quadrat aus einer gestrichelten Linie, rechte Ecke ist grün markiert, daneben steht Deutsches Zentrum Kulturgutverluste