Die Flaschenhälse der historischen Bierflaschen aus braunem und grünem Glas glänzen im Gegenlicht. Ihre Bügelverschlüsse sind teilweise geöffnet.

Historische Brauerei

Wie wird Bier gebraut? Alles über das jahrhundertealte Handwerk des Brauens mit den Arbeitsgängen Mälzen, Kochen, Kühlen, Gären und Lagern erfahren Sie im ehemaligen Lagerhaus der Nürnberger Tucher Bräu AG auf dem Museumsgelände.

Bitte beachten Sie: Die Historische Brauerei ist nur im Rahmen von Führungen geöffnet.
Zurzeit sind aufgrund der Corona-bedingten Auflagen leider keine Führungen möglich.

Das Land der Dichter, Denker und 5.000 Biere

Deutschland ist nicht nur das Land der Dichter und Denker, sondern auch der Bierbrauer und Biertrinker. Seit über 500 Jahren wird deutsches Bier nach dem Reinheitsgebot gebraut. Mit den dort festgeschriebenen vier Zutaten Malz, Wasser, Hopfen und Hefe haben die Deutschen eine Vielfalt an Bier geschaffen wie kaum irgendwo anders auf der Welt: Über 5.000 verschiedene Biere gibt es derzeit hierzulande. Die Hochburg der Brauereikunst findet sich im Frankenland. Aber auch Berlin gehörte früher zu den größten Brauereistädten. Dutzende Brauereien produzierten einst in der Hauptstadt.

Ein efeuberanktes, mehrgeschossiges Backsteingebäude, umgeben von den grünen Bäumen und Büschen.
In der Historischen Brauerei im Museumspark wird die über 6000 Jahre alte Geschichte des Bierbrauens erlebbar.
SDTB / C. Kirchner

Vom handwerklichen zum industriellen Bierbrauen

Die Geschichte des Bieres reicht weit in die Geschichte der Menschheit zurück. Ein erstes schriftliches Dokument eines Brauverfahrens ist circa 6.000 Jahre alt und stammt von den Sumerern aus Mesopotamien im heutigen Irak. Sie gelten damit als Urväter der Brauereikunst. Von diesen ersten Anfängen entwickelte sich die Braukunst über die Jahrhunderte fort. Bis Mitte des 19. Jahrhunderts war sie von Erfahrungswissen und Handarbeit geprägt. Im Laufe der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wandelte sich die deutsche Brauerei- und Mälzereiwirtschaft vom Handwerk zu einer eigenständigen Industrie. Die Historische Brauerei erklärt diese Entwicklung und die zugrundeliegenden naturwissenschaftlichen Erkenntnisse und Innovationen.

Das Sudhaus – ein technisches Denkmal

Im Zentrum der historischen Brauerei steht ein großer Bottich aus Kupfer, aus dem ein großes Rohr nach oben ragt. Besucherinnen und Besucher schauen sich auf den umliegenden zwei Etagen die Objekte in der Brauerei an.
Mittelpunkt der Brauerei ist das Sudhaus mit Braupfanne und Läuterbottich.
SDTB / N. Michalke

In einem ehemaligen Bier-Lagerhaus der Nürnberger Tucher Bräu AG wurden verschiedene Brauereigerätschaften so arrangiert, dass sie dem Ablauf des Bierbrauens zu Anfang des 20. Jahrhunderts entsprechen. Die Brauer unterscheiden drei Produktionseinheiten voneinander: das Mälzen in der Mälzerei, das Kochen im Sudhaus und schließlich die Arbeitsgänge Kühlen, Gären und Lagern, die in der Kellerei stattfinden. Den Mittelpunkt der Ausstellung bildet der kupferglänzende Braukessel mit Läuterbottich. Mit seinen Handrädern und Rohrleitungen stellt er ein technisches Denkmal dar. Hier wurde einst aus Wasser, Hopfen und Malz der Sud gekocht und zwischendurch gefiltert. An einem kleinen Arbeitstisch überwachte der Brauer den Abbau der Stärke zu Malzzucker. In großen Holzfässern entstand in einem mehrwöchigen Gär- und Reifungsprozess aus dem Sud das fertige Bier, das dann abgefüllt werden konnte.

Alle weiteren Braugeräte und Ausrüstungen sind auf vier Etagen rings um das Sudhaus überschaubar angeordnet, so dass die Besucherinnen und Besucher die wichtigsten Arbeitsabläufe bei der Malz- und Bierherstellung leicht nachvollziehen können.

Highlights

Die Draufsicht auf die Etikettiermaschine zeigt die drei u-förmigen Arme, in die die Flaschen eingelegt werden.
SDTB / C. Kirchner

Etikettiermaschine

Moderne Flaschenetikettiermaschinen bekleben bis zu 50.000 Flaschen pro Stunde. Im Handbetrieb wurde mit der hier gezeigten Etikettiermaschine jede Flasche einzeln mit einem Etikett versehen. Bierflaschen waren früher Luxus, nur vermögende Leute konnten sich Bier aus Flaschen leisten.

Datierung unbekannt

Drei Flaschen sind in die zylinderförmige Maschine zur Befüllung eingehängt. Ein Schlauch führt zur Befüllungsmaschine, über dem Schlauch ist ein Druckmesser mit Anzeige angebracht.
SDTB / C. Kirchner

Batteriefüller

Im Batteriefüller wurde jede Flasche einzeln befüllt. Dazu wurde zunächst ein Druckausgleich zwischen Fass und Flasche hergestellt und dann das Bier eingeleitet.

Datierung unbekannt

Von dem großen, runden Kupferkessel führt ein Rohr nach oben. Die Einfüllabdeckung des Kessels ist geöffnet.
SDTB / C. Kirchner

Braukessel

Der Braukessel dient dem Bierbrauer zum Kochen des eingemaischten Malzes. Die Flüssigkeit, die beim Maischen entsteht, nennt man Bierwürze oder Sud. Nach Filtern im Läuterbottich kann Hopfen zugegeben werden. Dadurch wird das Bier länger haltbar. Je mehr Hopfen der Brauer zugibt, desto hopfenbetonter – also herber – schmeckt später das fertige Bier.

A. Ziemann, Datierung unbekannt

Der runde, hölzerne Gärbottich steht mit der Öffnung nach oben auf einem vierfüßigen Metallpodest. In den Bottich führt ein Schlauch.
SDTB / C. Kirchner

Gärbottich

Im Gärbottich findet der eigentliche Gärungsprozess beim Bierbrauen statt. Dazu wird die erhitzte Bierwürze, auch Sud genannt, heruntergekühlt, damit die Hefe, die nun zugesetzt wird, nicht kaputtgeht. Sie wandelt den in der Würze gelösten Malzzucker in Kohlendioxid und Alkohol um. Je nach Biersorte dauert die Hauptgärung zwischen einigen Tagen bis zu zwei Wochen. In einem separaten Fass oder Tank sorgt die Nachgärung durch Zurückhalten des Kohlendioxids für das Prickeln im Bier.

Datierung unbekannt

Waschbeckenartiger Aufbau aus Kupfer an einer weiß gekachelten Wand.

Mehr zum Thema