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Registrierkasse aus den 1930er Jahren mit vier farbigen Aufklebern der KuA. Die Aufkleber tragen Zahlen und Buchstaben.

DDR-Unrecht

Die DDR verkaufte Kunstwerke, Maschinen und Alltagsgegenstände in den Westen, auch an das Deutsche Technikmuseum. Zum Teil befanden sich diese Dinge vorher in Privateigentum und mussten unter Zwang abgegeben werden.

Aufbau des Museums in den 1980er Jahren

Das Deutsche Technikmuseum, damals noch Museum für Verkehr und Technik, wurde 1982 in West-Berlin gegründet und 1983 eröffnet. Der Auf- und Ausbau der Sammlung stand im Fokus des Direktors Günther Gottmann und seines Teams.

Dafür wurden bis zum Mauerfall 1989 auch Objekte aus der damaligen DDR angekauft. Dort konnten noch technische Kulturgüter erworben werden, die in West-Berlin und West-Deutschland nicht mehr so einfach zu bekommen waren. Dazu gehörten funktionierende Maschinen, die man für Vorführungen im Museum benötigte, aber auch herausragende Einzelstücke wie eine Mühle, Loks und Waggons, ein Dampfschiff und historische Kraftfahrzeuge.

Verkäuferin und Zwischenhändler

Ein Tisch, mehrere Stühle, ein Trinkgut und eine Modelldampfmaschine im Lager der KuA in Mühlenbeck.
Aufnahme des Hauptlagers der KuA in Mühlenbeck
SDTB

Verkäuferin in der DDR war die Kunst und Antiquitäten GmbH (KuA), ein Außenhandelsbetrieb im Bereich „Kommerzielle Koordinierung“ (KoKo). Der Verkauf von Kunstwerken, Kulturgegenständen und Gebrauchsgütern in das westliche Ausland war eine wichtige Einkommensquelle für den Staatshaushalt der DDR.

Das Museum durfte nicht selbst in der DDR einkaufen und benötigte dafür Zwischenhändler. In den meisten Fällen war dies die Berliner Firma „Antik-Shop Antiquitäten Galerie GmbH & Co. Handels-KG“. Inhaber war der Berliner Geschäftsmann Wolfgang Böttger. Der Antik-Shop besaß Verkaufsräume im Berliner Kaufhaus des Westens (KaDeWe), für die er Antiquitäten aus der DDR kaufte. Spätestens seit 1986 gab es jedoch auch einen direkten Kontakt des Museums zur KuA. Fotos und Dokumente belegen regelmäßige Reisen von Museumsangestellten in den Ort Mühlenbeck, wo sich das Hauptlager der KuA befand.

Wie kamen die Objekte in den Handel?

Die KuA selbst kaufte ihre Waren von Privatpersonen, Händlerinnen und Händlern oder Staatsbetrieben. Aber nicht alle Verkäufe waren freiwillig: So wurden private Firmenbesitzer enteignet, das Eigentum Republikflüchtiger eingezogen und Sammlerinnen und Sammler wurden durch fingierte Steuerverfahren zur Abgabe ihrer Sammlungen gezwungen. Ebenso mussten Museen Sammlungsobjekte abgeben.

Objekte aus der DDR im Deutschen Technikmuseum

Registrierkasse aus den 1930er Jahren mit vier farbigen Aufklebern der KuA. Die Aufkleber tragen Zahlen und Buchstaben.
Registrierkasse der 1930er Jahre mit Aufklebern der KuA
SDTB

Die bisherigen Recherchen haben ergeben, dass rund 160 Objekte und Konvolute in der Sammlung des Deutschen Technikmuseums aus der DDR stammen. Mit ihrer Erforschung wurde bereits begonnen.

Dafür werden sowohl im Museumsarchiv als auch in anderen Archiven Dokumente wie Verträge, Transportpapiere und Rechnungen untersucht. Besonders bedeutsam sind dabei die Lieferlisten der KuA, genannt „Spezifikationen“, auf denen Buchstaben-Nummern-Kombinationen Hinweise zur Herkunft geben. Zum Beispiel steht „ZL“ für das Zentrallager der KuA. Diese Codes finden sich oft auf Aufklebern an den Objekten selbst, weshalb von „Aufklebernummern“ gesprochen wird.

Sie zu entschlüsseln, die Objekte damit zweifelsfrei den Lieferlisten zuzuordnen und mehr über die Herkunft und die Vorbesitzerinnen und Vorbesitzer zu erfahren, ist Aufgabe der kommenden Jahre.