Moderne Gestaltung, gute Orientierung und mehr Licht

06.08.2020

Deutsches Technikmuseum präsentiert überarbeitete
Dauerausstellung Schifffahrt

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Pressemitteilung

Moderne Gestaltung, gute Orientierung und mehr Licht
Deutsches Technikmuseum präsentiert überarbeitete Dauerausstellung Schifffahrt

Das Wrack des Kaffenkahns ist fast 200 Jahre alt, die Präsentation dagegen absolut modern: Die gerade abgeschlossene Überarbeitung der Dauerausstellung Schifffahrt im Deutschen Technikmuseum in Berlin setzt die Segel in Richtung Zukunft. Ab sofort zeigt sich die 6.400 Quadratmeter große Ausstellung auf zwei ihrer drei Ebenen in einem neuen, zeitgemäßen Gewand. Zentrale Elemente der Ausstellungsgestaltung wurden überarbeitet, neue historische Erkenntnisse in die Präsentation integriert. Die überarbeitete Ausstellung bietet den Besucherinnen und Besuchern zudem eine bessere Orientierung, mehr Licht sowie neue Themen und Objekte.

Im Kern bleibt das bewährte Konzept der Ausstellung bestehen. Hier wird die „Lebenswelt Schiff“ als Kapitel der Kulturgeschichte der Technik präsentiert: mit „echten“ Schiffen und Schiffsmodellen, Mitmach-Stationen und Dokumenten, Hands-On-Objekten und vielen Geschichten rund um die Schifffahrt. Kuratorin Claudia Schuster:
„Wir zeigen historische Objekte aus der Schifffahrt, beschreiben ihre Funktion, wofür und unter welchen Bedingungen sie hergestellt wurden – und nehmen Bezug auf die jeweiligen Auswirkungen auf Kultur und Gesellschaft. So regt die Ausstellung nicht nur zum aktiven Mitmachen, sondern auch zum Assoziieren und Nachdenken über die Gegenwart an.“

Überarbeitung trotz Corona-Krise

Insgesamt ein Jahr dauerte der Umbau des Erdgeschosses und des ersten Obergeschosses. Die Ausstellung war während dieser Zeit nur in Teilen für das Publikum zugänglich. Auch während der Corona-bedingten Schließzeit gingen die Arbeiten unter erschwerten Bedingungen weiter. Das Warten hat sich gelohnt. Nun können die Besucherinnen und Besucher die Ausstellungsbereiche zur Binnenschifffahrt, zum Schiffsmodellbau und zur Theorie des Schiffes im Neubau-Trakt des Museums auf knapp 3.900 Quadratmetern neu erkunden – eine Überarbeitung der Hochseeschifffahrt im zweiten Obergeschoss soll in den kommenden Jahren folgen.

Neue Gestaltung, neue Themen

Nach über 16 Jahren trägt die Überarbeitung den mittlerweile veränderten Sehgewohnheiten und Wünschen der Besucherinnen und Besucher Rechnung: Die Themen und Unterthemen werden durch auffällige Überblickstexte schneller gefunden, Texte sind in Vitrinen integriert, es wird mit Icons gearbeitet – all dies entspricht den Nutzungsgewohnheiten digital geprägter Menschen. Neu sind auch Infografiken, um komplexe Themen verständlicher darzustellen. Zudem ist die Ausstellung nun komplett zweisprachig ausgestattet und geht damit auf die stetig wachsende Anzahl an Touristen ein, die das Museum besuchen.

Einige Themen wurden neu aufgenommen, so etwa die „Berliner Fahrgastschifffahrt“ oder die „Berliner Wassergrenze“. Die Teilung Deutschlands und Berlins nach dem Zweiten Weltkrieg wird hier aus der Perspektive der Schifffahrt beleuchtet – als zusätzliches Objekt ist eine Grenztonne der DDR ausgestellt.

Star der Ausstellung: Der Kaffenkahn wird neu inszeniert

Es können auch alte Freunde neu entdeckt werden. Ein besonderer Publikumsliebling, der begehbare Dampfschlepper KURT-HEINZ, ist weiterhin in der Ausstellung zu sehen. Auch das 1987 aus der Havel geborgene Wrack eines Kaffenkahns aus den 1840er Jahren nimmt wieder einen zentralen Platz in der Ausstellung ein. Die überarbeitete Präsentation lässt seine markante Erscheinung noch besser zur Geltung kommen. Solche „schwimmenden Gefäße“ transportierten im 18. und 19. Jahrhundert Baumaterialien und Lebensmittel aus dem Umland in die preußische Hauptstadt und prägten damit den Spruch „Berlin ist aus dem Kahn gebaut“.

Eindrucksvolle Modelle wie das des Schiffshebewerks Niederfinow zeigen die Technik, mit der die Schifffahrt über die Jahrhunderte hinweg Fahrt aufnehmen konnte. Sportboote, Urkunden und Fotos machen deutlich, wie die Schifffahrt das Leben der Menschen als Hobby und Arbeit geprägt hat.

Neue Highlights

Ein neues Highlight-Objekt stammt ursprünglich von der KURT-HEINZ: ein Küchen-Dampfboiler aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.  Als „Nachhaltigkeit“ noch kein Schlagwort war, wurde hier bereits mit dem Dampf des Schiffskessels der Boiler betrieben. Der doppelwandige Aufbau des Boilers sorgte für schnelles, energiesparendes Erhitzen des Wassers.

Wassersport auf gefrorenen Seen ermöglichte der Eisgleiter aus dem Jahr 1979. Der Bauplan dieses ersten Eis-Surfschlittens mit Windsurf-Rigg der DDR wurde damals in der Heimwerker Zeitschrift „Practic“ präsentiert und eifrig nachgebaut.

Eine weitere Attraktion ist das Modell eines Flaggschiffs des chinesischen Admirals Zheng He. Er gilt als „chinesischer Kolumbus“ und unternahm im frühen 15. Jahrhundert sieben große Expeditionen bis an die Ostküste Afrikas. Dokumente und Quellen über ihn und seine Schiffe sind rar; es ist jedoch bekannt, dass sie um ein Vielfaches größer als die europäischen Schiffe dieser Zeit waren.

Mitmachen ist angesagt!

Eine weitere Innovation: In der neuen Ausstellung ist Mitmachen noch besser möglich als zuvor. Segel setzen, mit Käptn Blaubär einen Hafen ansteuern und echte Schiffsknoten knüpfen konnte man schon früher in der Ausstellung. Nun gibt es noch mehr Hands-On-Objekte und Mitmach-Stationen. Auch das Angebot an Hörstationen und Filmstationen wurde erweitert. Leider kommen einige dieser berührungsintensiven Module während der Dauer der Corona-Epidemie vorerst noch nicht zum Einsatz.

Neu ist auch der zur Ausstellung hin offene Workshop-Raum, die sogenannte „Mitmach-Insel“ – hier werden, wenn die Corona-bedingten Auflagen dies wieder zulassen – Workshops für Kinder und Jugendliche angeboten. Der Raum ist auch ohne Programmangebot allen Kindern und Familien zugängig, um sich auszuruhen, zu lesen und die vielen Eindrücke „zur See“ auf sich wirken zu lassen.