Detailaufnahme eines lilafarbenen Gewebes. Durch zwei unterschiedlich elastische Garne, Gummilitze und Seide, tritt das Blasenmuster des Stoffes besonders hervor.

Verborgene Strukturen

Die Sonderausstellung „Verborgene Strukturen. Eine fotografische Reise in die Welt der Textilien“ läuft bis 10. Mai 2020 in der Kleinen Galerie. Sie kombiniert die historischen Stoffmuster der Sammlung Wieland Poser mit hochauflösenden Detailfotografien des Berliner Fotografen Heiner Büld.

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Eine Reise in die Welt der Textilien

Jeden Tag unseres Lebens sind wir von Textilien umgeben. Seit rund 150 Jahren werden Textilien in Deutschland industriell hergestellt. Anfang des 20. Jahrhunderts gab es Tausende verschiedener Gewebearten für unzählige Verwendungszwecke. Das Wissen um die Herstellungsweisen ist den Rationalisierungsmaßnahmen seit den 1930er Jahren zum Opfer gefallen.

Blick in der Ausstellungsraum mit leuchtend bunten, hochauflösenden Detailaufnahmen von Stoffgeweben im extremen Hochformat. In der Mitte des Raumes steht eine Frau an einem Leuchttisch, auf dem man sich die Fotos der Stoffe stark heranzoomen kann.
Die Sonderausstellung „Verborgene Strukturen. Eine fotografische Reise in die Welt der Textilien“ kombiniert die historischen Stoffmuster der Sammlung Wieland Poser mit hochauflösenden Detailfotografien des Berliner Fotografen Heiner Büld.
SDTB / C. Kirchner

Häkel, Whipcord und Madras

Ein gewebter dunkler Stoff, von dem sich gelbe Blüten und grüne Blätter effektvoll abheben.
Leuchtende Zweige auf dunklem Grund: Die gelben Blüten des floralen Musters bestehen aus Chenille, einem voluminösen und samtartigen Effektgarn.
SDTB / Heiner Büld, Berlin

Auch die Webstühle, auf denen die Gewebe hergestellt wurden, existieren schon lange nicht mehr. Heute kann nur noch ein Bruchteil der damaligen Vielfalt an Strukturen, Farben und Materialien der Gewebe industriell hergestellt werden.

Die Ausstellung „Verborgene Strukturen. Eine fotografische Reise in die Welt der Textilien“ ermöglicht einen Einblick in diese verlorene Welt. Anhand 20 ausgewählter Textilproben werden die verlorenen Strukturen der Gewebe sichtbar gemacht.

Durch hochauflösende Detailfotografien des Berliner Fotografen Heiner Büld in fast mikroskopischem Maßstab werden der künstlerische und der technische Blick auf die Textilien vereint. Der dabei entstehende Einblick in die Strukturen der Textilien offenbart die ganz eigene Ästhetik der Gewebe und zeigt den Zusammenhang zwischen Stoff, Bindung und Herstellungstechnik.

Doch jeder Versuch, das Besondere der so verschiedenen Gewebe in der Fläche, ohne Bewegung, Faltenwurf und Lichtspiel festzuhalten, scheiterte bislang. Das Geheimnis des Textilen liegt in ihrer räumlichen Disposition. Die Einheit von Material und Bindung ist selbst schon Skulptur. Zudem changieren oft Farben und Texturen mit der Richtung des Blicks und der Lichtquelle. Deshalb halten Handel und Gewerbe trotz des hohen Aufwands am Musterbuch fest.

Ein beiger, mit bunten Blumenranken, Streifen und Punkten gemusterte Stoff aus Seide.
Der mit Blumenranken, Streifen und Punkten gemusterte Stoff aus Seide kann heute in Deutschland nicht mehr produziert werden.
SDTB / Heiner Büld, Berlin

Interaktiver Multi-Touch-Tisch mit Lupen-Anwendung

Ein hochauflösendes Foto wird auf einem Leuchttisch mit Hilfe einer runden Lupe im Detail herangezoomt. Man sieht zwei Hände, die die Lupe drehen.
Die Ausstellung lädt Besucherinnen und Besucher dazu ein, an einem Multi-Touch-Tisch der Berliner Firma Interactive Scape GmbH hochwertige Digitalisate fünf ausgewählter Stoffproben noch eingehender zu erkunden. Frei auf dem Tisch platzierbare High-Tech-Lupen ermöglichen das Hineinzoomen in die Muster durch intuitives Drehen.
SDTB / C. Kirchner

Die stark vergrößerten Gewebeausschnitte werden in der Ausstellung auf 50 x 300 Zentimeter großen Wandpaneelen ausgestellt.

Fünf ausgewählte Digitalisate der Stoffmuster laden am Multi-Touch-Tisch der Berliner Firma Interactive Scape GmbH dazu ein, näher betrachtet zu werden. Digitale High-Tech-Lupen ermöglichen den Besucherinnen und Besuchern durch intuitives Drehen, die Textilien tiefer zu erkunden. Dabei werden verschiedene Materialien und Bindungen, aber auch natürliche Gebrauchsspuren, lose Fäden und vieles mehr sichtbar.

Der Fotograf Heiner Büld

Heiner Büld studierte Sinologie, Philosophie und Jura an der Freien Universität Berlin, bevor er an der Hochschule der Berliner Künste (heute UdK) als wissenschaftlich-künstlerischer Mitarbeiter tätig war. Er baute den Bereich „Kunst und Medien“ an der Hochschule für Kunst und Design Burg Giebichenstein in Halle (Saale) mit auf und ist heute freiberuflicher Fotograf.

Seine Fotos erfassen die Textilien in ihrer natürlichen Dreidimensionalität. Dies erfordert nicht nur technisches Geschick im mikroskopischen Umgang mit Kamera, Objekt und Licht, sondern auch die Möglichkeiten der digitalen Bildbearbeitung.

Heiner Büld lebt und arbeitet in Berlin.

Die Sammlung von Wieland Poser

Professor Wieland Poser, 1941 in Weimar geboren, war bis 2006 an der Burg Giebichenstein in Halle an der Saale als Professor für Modedesign/Textil tätig. Seit den 1970er Jahren forschte er zu Ziviltextilien. Dies umfasst alle Textilien, die im Alltag der Menschen verwendet werden, vorwiegend Kleider-, Möbel- und Dekorationsstoffe. Ziel seiner Forschung war eine lexikalische Erfassung aller Textilqualitäten textilen Qualitäten aus der Zeit zwischen 1880 und 1940. Poser erfasste rund 2.300 Textilarten und sammelte dazu mehrere hundert Belegexemplare.

2016 übernahm das Deutsche Technikmuseum seine Sammlung. Die Textilien werden in Kooperation mit der HTW Berlin, unter Leitung von Prof. Dr. Dorothee Haffner, inventarisiert und digitalisiert. Unter anderem inspirierten die historischen Textilien in einem Projekt Studierende des Studiengangs Modedesign zu neuen Textildruckmotiven.

Dauerausstellung

Textiltechnik

Unsere Ausstellung zur Textiltechnik zeigt die Vielfältigkeit textiler Stoffe, die ganz unterschiedliche Funktionen in unserem Leben haben.