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Eine Schwarzweiß-Fotografie: Auf einem Bahnsteig in ländlicher Umgebung steht ein älterer Schrankenkwärter in Uniform. Von hinten nähert sich eine Dampflokomotive.

Alltag an Schienen

Entlegene Bahnhöfe, schwere Dampflokomotiven und viele Fahrgäste, all das war Teil des Lebens in der DDR. Die Sonderausstellung „Alltag an Schienen. Fotografien aus der DDR von Burkhard Wollny“ zeigt vom 21. Januar 2022 bis zum 19. Februar 2023 insgesamt 57 ausgewählte Schwarzweißfotografien von Burkhard Wollny.

Züge, Loks und Menschen

Ein Mann und eine Frau sitzen auf einer Bank auf einem menschenleeren Bahnsteig und schauen einem vorbeifahrenden Güterzug entgegen. Neben ihnen steht ein Koffer.
Ein Güterzug passiert den Bahnhof Haldensleben in der Magdeburger Börde, um 1980. Die Einheitslok (Baureihe 41) der 1930 Jahre mit Neubaukessel ist heute noch erhalten.
Foto: Burkhard Wollny

Burkhard Wollny ist Fotograf und Eisenbahnfan aus der Nähe von Stuttgart. Besonders alte Dampfloks haben es ihm angetan. Vor dem Mauerfall reiste er immer wieder in die DDR und nach West-Berlin, wo noch viele der alten Lokomotiven ihren Dienst taten. Dabei entstanden einzigartige Bilder vom Leben in den Städten und in der Provinz, auf Bahnhöfen und an der Strecke.

Bahnfahren gehörte in der DDR zum Alltag. Während sich Westdeutschland nach dem Zweiten Weltkrieg zu einer Autonation entwickelte, blieb Ostdeutschland größtenteils der Schiene treu. Um 1980 wurden im Personenverkehr nach wie vor 40 Prozent der Wege mit dem Zug zurückgelegt. Das klingt aus heutiger Sicht nach einem zukunftsweisenden Verkehrskonzept, vor 40 Jahren galt es dagegen als nicht mehr zeitgemäß: Kleine Bahnhöfe, volle Pendlerzüge und weit verzweigte Nebenstrecken brachten die Menschen bis in die entlegensten Winkel des Arbeiter- und Bauernstaats.

Das Alltagsleben an Schienen und Bahnhöfen

1975 beantragte Wollny den „behelfsmäßigen Personalausweis“ für West-Berliner. Nach dem Berlin-Abkommen von 1971 erhielt er damit Tagesvisa für die Einreise in die DDR. Regelmäßig zog es ihn ins Erzgebirge und das Thüringer Bergland. Durch seine unkonventionelle, aufgeschlossene Art kam er leicht mit den Leuten in Kontakt und konnte ungestört fotografieren. So gelangen Wollny neben den Porträts der allgegenwärtigen Dampfloks auch seltene Einblicke in das normale Alltagsleben auf den Bahnhöfen und neben der Strecke. Die ausgewählten Fotografien schwanken zwischen nostalgischer Eisenbahnromantik und der Alltagsnormalität eines Landes, das verzweifelt versuchte, mit der Moderne Schritt zu halten, durch Ressourcenknappheit und wirtschaftliche Mängel aber vielfach im Gestern verharren musste.

Der Fotograf

Burkhard Wollny wurde 1950 in Freiburg im Breisgau geboren und wuchs in Stuttgart auf. Mit zehn Jahren besuchte er mit seinem Großvater häufig das Bahnbetriebswerk in Stuttgart. Dort fing er an, die Lokomotiven und Züge mit seiner kleinen Kodak Instamatic zu fotografieren. Später bekam er eine Praktika Spiegelreflexkamera geschenkt, mit der viele der Ausstellungsfotos entstanden. Der erfolgreiche Bankkaufmann und Unternehmensberater Wollny widmete einen Großteil seiner Freizeit seiner Leidenschaft für die Eisenbahnfotografie. Er professionalisierte seine Fotoausrüstung und entwickelte seine Filme selbst. Über die Jahre entstand so ein riesiges Archiv von insgesamt 100.000 Schwarzweißfotos und 96.000 Dias, auf denen verschiedene Eisenbahntypen, Lokomotiven, Züge und Bahnanlagen zu finden sind.