Stipendium Pforzheim revisited – Berlin

„Das ist ein Traum!“, so die Reaktion von Christiane Köhne auf ihren Aufenthalt als Schmuckstipendiatin im Deutschen Technikmuseum. Sie ist eine von 19 Personen, die seit 2011 die Möglichkeit hatten, in der Ausstellungswerkstatt „Manufakturelle Schmuckproduktion“ mit historischen Maschinen moderne Designs zu entwickeln.

Artists in Residence

Eine junge Frau holt mit einer Zange fertige Zinngussteile aus einer gelben Gummiform.
Luisa Fastabend (Stipendiatin 2015) Beschäftigte sich intensiv mit dem Schleudergussverfahren. Seit Juni 2020 unterstützt sie das Deutsche Technikmuseum mit dem so erworbenen Wissen als Vorführerin in der Schmuckwerkstatt.

Das Stipendium richtet sich an Absolventinnen und Absolventen des Studiengangs Schmuck der Hochschule Pforzheim. Jedes Jahr wählt eine internationale Jury ein bis zwei Stipendiatinnen oder Stipendiaten aus der Reihe der Bewerberinnen und Bewerber aus, die dann für drei bis sechs Monate in der Ausstellungswerkstatt des Deutschen Technikmuseums arbeiten dürfen. Das Artist in Residence Stipendium ist eine Kooperation der Stiftung Deutsches Technikmuseum Berlin und der Gold- und Silberscheideanstalt C. Hafner. Gemeinsam möchten sie das Wissen und Können der vom Aussterben bedrohten Schmuckfertigungstechniken bewahren und junge Schmuckgestalterinnen und -gestalter in ihrer kreativen Arbeit fördern.

Das Stipendium ist Teil des Tradierungsprojekts „Manufakturelle Schmuckgestaltung“, das 2015 von der Deutschen UNESCO-Kommission als „Best Practice“ ausgezeichnet wurde. Das Projekt ist ein Beispiel dafür, wie Museen, neben den Objekten, auch das immaterielle Kulturerbe lebendig bewahren können. Die jungen Designerinnen und Designer erhalten hierfür Zugang zu Maschinen und Werkzeugen, die man außerhalb des Museums nur noch selten sieht – und vor allem nicht in Betrieb. Sie werden von den Mitarbeiterinnen der Schmuckproduktion in den Umgang mit diesen Maschinen eingeführt und können danach eigenständig an ihren Entwürfen arbeiten.

Ein junger Mann sitzt am Goldschmiedetisch und lötet einen Armreif.
Fabian Jäger war 2011 der erste Stipendiat. Heute arbeitet er als Werkstattleiter und Objektmanager im EMMA-Kreativzentrum in Pforzheim und vermittelt dort das Wissen um die manufakturelle Schmuckproduktion an andere Kreativschaffende.

Die Besucherinnen und Besucher des Deutschen Technikmuseums haben die Möglichkeit, in der Schmuckwerkstatt historische Maschinen in Aktion zu sehen. Sowohl die Stipendiatinnen und Stipendiaten, als auch die Vorführerinnen geben gerne Einblick in die Schmuckherstellung. Das Besondere dabei ist, dass mit den historischen Maschinen und Werkzeugen keine ehemalige Produktion künstlich nachgestellt wird, sondern neue moderne Designs erarbeitet werden. Die Museumswerkstatt und ihre Ausstellungsstücke erwachen so zu neuem Leben. Forschen, Experimentieren und viel Kreativität stehen im Zentrum des Schaffens. Die entstandenen Produkte reichen von Kunstobjekten bis zum Serienprodukt.

Mehr über das Stipendium erfahren Sie auf dem Blog, den die Stipendiatinnen und Stipendiaten während ihres Aufenthaltes im Deutschen Technikmuseum führen. Hier dokumentieren sie ihre Eindrücke und Arbeitsschritte.

Einladungskarte für die Vernissage der Ausstellung

10-jähriges Jubiläum

2021 feiert das Stipendium sein zehnjähriges Jubiläum. Gefeiert wurde das mit einer Ausstellung des Deutschen Technikmuseums in Kooperation mit der Galerie Noon in Berlin. Interessierte waren herzlich eingeladen, sich die Arbeiten aus zehn Jahren Stipendium anzuschauen. Bei der Eröffnung waren einige der Künstlerinnen und Künstler persönlich vor Ort sein.

Ausgewählte Stücke werden noch bis Weihnachten in der Galerie präsentiert.