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Cosmic Culture

Ein Ausstellung mit Fotos von Dieter Seitz zeigt die sowjetische Weltraum-Ästhetik im Alltag des Ostens. Anlass ist der 60. Jahrestag des Weltraumflugs von Juri Gagarin. Laufzeit: 1. Juni bis 28. November 2021.

Pressematerial

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The picture shows, in the center, a cosmonaut's suit from the waist up. A spherical helmet with a large glass visor sits on top of it. In the background, a decorative valance with a gold border hangs above a window.

This cosmonaut suit is on display at the Kosmos Museum at a school in Baikonur (Kazakhstan), 2018. (Cosmic Culture No. 121)

SDTB / Photo: Dieter Seitz

A car and a truck with Coca-Cola advertisements are driving down a snow-covered street. In the background stands a skyscraper with a wall mosaic depicting a larger-than-life cosmonaut floating into the sky.

Wall mosaic with a space theme on a 12-story apartment building from the 1970s in the mining town of Karaganda (Kazakhstan), 2017. (Cosmic Culture No. 161)

SDTB / Photo: Dieter Seitz

Der Hundeanzug besteht aus einer großen Glaskugel für den Kopf mit zwei Öffnungsluken. Damit verbunden ist der eigentliche Anzug aus dickem Gummistoff.

One of the last surviving space suits for dogs. Between 1951 and 1961, the Soviet Union sent dozens of dogs—mostly strays—into space for testing purposes. Moscow, 2018. (Cosmic Culture No. 112)

SDTB / Photo: Dieter Seitz

Four women are sitting on a park bench with their backs to the viewer. They are looking at a silver airplane standing on a concrete pedestal.

The Ilyushin aircraft monument is a popular gathering place in the park of a residential complex in Baikonur (Kazakhstan), 2018. (Cosmic Culture No. 140)

SDTB / Photo: Dieter Seitz

An older woman with heavy makeup and short, bleached hair is sitting at a desk. On the desk is an old telephone and a computer screen displaying numbers and an image of the ISS.

The technical programmer has been creating simulation programs for cosmonaut training at the Gagarin Cosmonaut Training Center (GCTC) in Svyozdny Gorodok (Russian Federation) since 1980, 2019.

SDTB / Photo: Dieter Seitz

The white porcelain figurine depicts a man in a cosmonaut suit floating in the air, with his arms outstretched toward the sky.

This porcelain cosmonaut figurine depicts the sensation of weightlessness. USSR, 1981. (Cosmic Culture No. 36)

Photo: Dieter Seitz

A little boy is pushing his bicycle across a large sandy square. In the background stands a large monument topped by the head of a cosmonaut with his arms spread wide.

Monument commemorating the founding of the space city of Baikonur (Kazakhstan), 2018. (Cosmic Culture No. 145)

SDTB / Photo: Dieter Seitz

The mosaic depicts a cosmonaut in a yellow suit floating in space above Earth. He is connected to the space capsule floating behind him by a hose.

Wall mosaic by Fritz Eisel at the former Potsdam Data Center. It depicts cosmonaut Alexei Leonov, who on March 18, 1965, became the first person to perform a spacewalk. Potsdam, 2020. (Cosmic Culture No. 180)

SDTB / Photo: Dieter Seitz

The Sandman, dressed in a cosmonaut suit, is standing at a control panel with levers. In the background, two other wooden puppets are sitting in a space station, with a glass roof topped with satellite dishes above them.

In several episodes of GDR children’s television, the Sandman flew into space as a cosmonaut. This photo was taken in the prop collection of “Unser Sandmännchen” in Berlin-Köpenick in 2019. (Cosmic Culture No. 120)

SDTB / Photo: Dieter Seitz

Pressemitteilung

Cosmic Culture

Ein Ausstellung mit Fotos von Dieter Seitz zeigt die sowjetische Weltraum-Ästhetik im Alltag des Ostens. Anlass ist der 60. Jahrestag des Weltraumflugs von Juri Gagarin.

Laufzeit: 1. Juni bis 28. November 2021.

Der Aufbruch ins All und die Raumfahrt hatten für die ehemalige Sowjetunion und ihre Verbündeten eine ganz besondere Bedeutung. Als herausragendes Ereignis gilt dabei der 12. April 1961, jener Tag, an dem Juri Gagarin als erster Mensch ins Weltall flog. Das Deutsche Technikmuseum in Berlin zeigt anlässlich des 60. Jahrestages dieses Ereignisses 49 Fotografien aus dem Projekt „Cosmic Culture“ von Dieter Seitz.

Die Faszination der Sowjetunion mit der Raumfahrt fand ihren Niederschlag in Gebäudekunst und Denkmälern ebenso wie in kleinen Alltagsgegenständen. Der Bonner Fotograf Seitz hat sich auf die Suche nach dieser kosmischen Kultur begeben. Seine Bilder zeigen ebenso unspektakuläre wie überraschende Szenarien im öffentlichen Raum, und sie führen uns vor Augen, wie die Kosmos-Ästhetik auch in den Privathaushalten angekommen war. Die Bandbreite reicht von großen Wandfresken bis hin zu Zigarettenpackungen und Teeglashalter mit Raketenmotiven. Ergänzt werden diese dinglichen Motive durch Porträts von alten und jungen Menschen, die im sowjetischen und russischen Weltraumprogramm oder in weltraumnahen Tätigkeiten ihren Beruf und ihre Berufung gefunden haben. 

Aufbruch ins Weltall

Schon immer war der Mensch vom Weltall fasziniert. Der Traum von den Sternen und der Reise ins Außerirdische hat die Sehnsüchte vieler Kulturen geprägt – lange bevor eine „Eroberung des Kosmos“ technisch möglich schien. Der tatsächliche Aufbruch ins All war jedoch ein hoch politisches Ereignis: Als mit dem sowjetischen Sputnik 1957 der erste künstliche Satellit die Erde umkreiste, löste das im Westen den „Sputnikschock“ aus. Der Weltraum-Flug des sowjetischen Kosmonauten Juri Gagarin bildete den Auftakt des „Wettlaufs zum Mond“, den 1969 die USA für sich entschieden. Die Raumfahrt war Teil der Systemkonkurrenz zwischen Ost und West und für beide Seiten Gegenstand politischer Propaganda im Kalten Krieg dieser Zeit.

Kosmos-Ästhetik im täglichen Leben des Ostens

Aber auch jenseits der großen Politik fand die Faszination der Raumfahrt in der damaligen Sowjetunion Eingang in das Leben der Menschen. Mit Verzögerung geschah dies auch in der DDR und anderen osteuropäischen Staaten. Motive und Symboliken des Kosmos prägten die Gestaltung von Artefakten des öffentlichen und privaten Raums: Weltraummotive finden sich auf Massenprodukten wie Zigaretten-packungen, Textilwaren, Uhren und Anstecknadeln; sie verdichten sich in allegorischen Porzellanfiguren. Der Kosmos inspirierte die Form- und Namensgebung von Gebrauchsgegenständen. Im Straßenbild wurde die Weltraum-Ästhetik omnipräsent in Gestalt von Architektur, Wandmosaiken und Skulpturen. Kurzum: Der „Kosmos“ wurde in unterschiedlichsten Facetten Teil der Alltagskultur.

Die Ausstellung „Cosmic Culture“ zeigt die vielfältigen Einflüsse dieser Kosmos-inspirierten Ästhetik auf das Alltagsleben der Menschen im Osten. Obgleich die Raumfahrt nach den Pionierjahren nicht mehr von spektakulären Ereignissen bestimmt war, blieb die Kosmos-Ästhetik in der Alltagskultur des Ostens weiter präsent. Mit Auflösung der Sowjetunion 1991 und der folgenden Krise verloren dann aber die gesellschaftlichen Werte, mit denen der „Kosmos" verknüpft war, schlagartig an Bedeutung. Jetzt konnte auch seine Ästhetik, wie vieles andere, durch westliche Konsumwaren mühelos verdrängt werden. Mit der Intensivierung der russischen Raumfahrt zu Beginn des 21. Jahrhunderts wurden auch Erinnerungen an die frühere Kosmos-Kultur wieder rekultiviert. Die Bilder von „Cosmic Culture“ reflektieren, wie diese Ideen und Utopien weiterleben und wie der „Kosmos" heute auf neue Weise wieder ins Spiel kommt.

Eine Spurensuche durch sieben Länder

Zwischen 2016 und 2019 begibt sich der Fotograf Dieter Seitz auf die Suche nach den Relikten der Kosmos-Kultur. Einst massenhaft hergestellte Gebrauchsgüter sind 30 Jahre nach dem Niedergang dieses Gesellschaftssystems kaum noch aufzuspüren. Seitz findet sie an entlegenen Orten, auf belebten Plätzen und in abgeschirmten Sicherheitszonen, in Museen, Privatsammlungen und in verborgenen Archiven. Tausende Kilometer führen ihn durch Russland und die ehemaligen Sowjetrepubliken Kasachstan, Tadschikistan, Kirgisistan, Usbekistan und Georgien sowie in den Osten Deutschlands.

Unterwegs begegnet er Menschen aller Generationen, die mit und von der Raumfahrt leben. Ihre Porträts zeigen, wie aus dem einstigen Mythos Alltagsrealität, Geschäft, Berufung – oder auch ganz normale Jobs geworden sind.

 „Cosmic Culture“ ist eine umfassende Dokumentation eines ästhetischen Phänomens, das in seiner Vielfalt, Verbreitung und Verankerung in der Alltagskultur des Ostens einzigartig war. Darüber hinaus macht Dieter Seitz mit seinen assoziativen Bildfolgen etwas von jenem Lebensgefühl spürbar, das in diesen Ländern eine ganze Generation mitgeprägt hat.

Der Fotograf

Dieter Seitz, in Stuttgart geboren, studierte an der Universität der Künste, Berlin, an der Freien sowie der Technischen Universität Berlin. Er wurde 2017 an die Deutsche Fotografische Akademie (DFA) berufen. Der Designer, Soziologe und freie Fotograf lebt und arbeitet in Bonn.  

Seit 2004 liegt der Fokus seiner künstlerischen Ausstellungs- und Buchprojekte auf Themen gesellschaftlicher Umbrüche wie in den ehemaligen Sowjetrepubliken (Kasachstan 2009; Virtual Landscapes, 2015; Nomads Land, 2017) sowie sozialer Spannungsfelder (Indien 2006-2008, Griechenland 2011-2013). Zuletzt ist erschienen: Cosmic Culture. Sowjet Space Aesthetics in Everyday Life, 2019. Dieser Band wurden beim Deutschen Fotobuchpreis 20/21 in der Kategorie „Konzeptionell-künstlerischer Fotobildband“ mit Silber ausgezeichnet.

Die Arbeiten von Dieter Seitz wurden in zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen in Deutschland und international gezeigt.