Aufgeklappte Schachtel, darin rechts eine Zeichnung mit einer Widmung. Links ist die Deckelinnenseite zu sehen, auf der Heinrich Hirschbergs Exlibris klebt. Es zeigt im Vordergrund ein aufgeschlagenes Buch auf einem Tisch, im Hintergrund ist durch einen Fensterrahmen eine Fabrik zu erkennen.

Heinrich Hirschbergs Gästebuch, 1916-1923

Objekt des Monats Mai 2020

Aufgeklappte Schachtel, darin rechts eine Zeichnung mit einer Widmung. Links ist die Deckelinnenseite zu sehen, auf der Heinrich Hirschbergs Exlibris klebt. Es zeigt im Vordergrund ein aufgeschlagenes Buch auf einem Tisch, im Hintergrund ist durch einen Fensterrahmen eine Fabrik zu erkennen.
Gästebuch des ehemaligen AEG-Direktors Heinrich Hirschberg. Auf der Innenseite des Deckels sein Exlibris, rechts der Gästebucheintrag seines Freundes, des Berliner Künstlers Hermann Struck von 1917.
SDTB / Foto: Clemens Kirchner

Das ausgestellte Gästebuch gehörte Heinrich Hirschberg. Ein Aufkleber auf der Innenseite des Deckels macht dies deutlich. Solche Exlibris sind oft künstlerisch aufwendig gestaltet und zeigen den Besitz eines Buches an. Heinrich Hirschberg wurde 1876 in Berlin geboren. Er war Direktor und bis 1933 Aufsichtsratsmitglied der Allgemeinen Elektricitäts-Gesellschaft (AEG). Er und seine Frau Rosa wurden nach 1933 als Juden verfolgt und mussten 1938 aus Deutschland fliehen. Über Nizza und Lissabon gelangten sie schließlich nach New York, wo Heinrich Hirschberg 1946 starb.

Jedes Objekt im Museum hat seine Geschichte. Will man sie erzählen, muss man auf Spurensuche gehen. Gebrauchsspuren wie das Exlibris machen ein Ausstellungsstück einzigartig und geben Auskunft über seine Vergangenheit. Die Herkunft der Dinge zu kennen ist wichtig, weil ihre Vorbesitzerinnen und Vorbesitzer sie nicht immer freiwillig hergaben.

Während der Zeit des Nationalsozialismus wurden mehrere Millionen Menschen in Europa als Jüdinnen und Juden verfolgt, beraubt, ins Exil gezwungen oder ermordet. Das, was sie besaßen, mussten sie zurücklassen, aus Not verkaufen oder zwangsweise an staatliche Stellen abgeben.

Über Kunst-, Antiquitäten- oder Gebrauchtwarenhändler gelangten solche Gegenstände auch weit nach Kriegsende in Archive, Bibliotheken und Museen. Diese Objekte im Museum ausfindig zu machen, ist die zentrale Aufgabe der Provenienzforschung am Deutschen Technikmuseum.

Wieso Heinrich Hirschbergs Gästebuch in Berlin blieb und hier vor einigen Jahren auf einem Flohmarkt entdeckt und für das Museum angekauft wurde, bleibt ungeklärt. Klar ist jedoch, dass wir versuchen, die Nachkommen ausfindig zu machen, um ihnen das Buch zurückgeben zu können.