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„Alltag an Schienen“. Fotografien aus der DDR von Burkhard Wollny

Foto-Sonderausstellung im Deutschen Technikmuseum in Berlin

Laufzeit: 21. Januar 2022 bis 19. Februar 2023

Pressematerial

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A man and a child are standing on a train platform, watching the steaming Reko locomotive rush past them.

An oil-fired Reko locomotive (Class 50.35) passes the Prenzlauer Allee S-Bahn station on its way to the Dunckerstraße underpass.

Photo: Burkhard Wollny

A young woman is sitting on her suitcase, bent over a map. Her finger is resting on the map. In the background, people are waiting on a neighboring train platform.

Planning a trip with a map spread out on the platform at the Zoologischer Garten S-Bahn station.

Photo: Burkhard Wollny

Adults and children are walking across overgrown railroad tracks. Behind them stands a steam locomotive with railcars. A girl is standing next to her bicycle, looking at the stationary steam locomotive that the passersby have just arrived on.

Passengers and passersby at Steinbach Station on the Wolkenstein–Jöhstadt narrow-gauge railway, which was gradually phased out starting in 1982. After German reunification, the line was reopened as a private museum railway.

Photo: Burkhard Wolly

 A small, rural train station with a small, brick station building. A group of people has just arrived on a steaming locomotive and is leaving the station. Several elderly ladies are smiling cheerfully as they do so.

Cheerful passengers in the Ore Mountains. The Saxon IV K-Reko locomotive shown here is currently in museum service on the Preßnitztalbahn line, which reopened after 1990.

Photo: Burkhard Wollny

A black-and-white photograph: An elderly railroad crossing guard in uniform stands on a train platform in a rural setting. A steam locomotive approaches from behind.

A gatekeeper stands in front of a reconstructed Class 52 wartime locomotive.

Photo: Burkhard Wollny

A man and a woman are sitting on a bench on a deserted train platform, watching a freight train pass by. A suitcase is standing next to them.

A freight train passes through the Haldensleben station in the Magdeburger Börde region, circa 1980. The "Einheitslok" (Class 41) from the 1930s, featuring a newly built boiler, is still preserved today.

Photo: Burkhard Wollny

 The photo shows a close-up of the exhibition. On the gray-green wall, several small black-and-white photos hang side by side on the left, and a large black-and-white photo hangs at the back on the right.

The black-and-white photos document rail traffic and life along the railroad lines in the GDR.

SDTB / C. Kirchner

Black-and-white photos hang on the gray-green walls on both sides of the long corridor in the large gallery.

Burkhard Wollny's railway photographs are on display in the Grand Gallery of the German Museum of Technology.

SDTB/ Photo: C. Kirchner

 The photo shows a portrait of photographer Burkhard Wollny standing in a black suit in front of a reddish wall.

Starting in 1975, the man from Baden-Württemberg traveled regularly to the GDR on a “provisional ID card” issued for West Berliners to photograph steam locomotives.

SDTB / L. Wollny

Pressemitteilung

„Alltag an Schienen“. Fotografien aus der DDR von Burkhard Wollny

Foto-Sonderausstellung im Deutschen Technikmuseum in Berlin

Laufzeit: 21. Januar 2022 bis 19. Februar 2023

Wie sah der Alltag an den Eisenbahnschienen in Ostdeutschland aus? Worin unterschied er sich von ähnlichen Szenarien im Westen? Burkhard Wollny ist Fotograf und Eisenbahnfan aus der Nähe von Stuttgart. Besonders alte Dampfloks haben es ihm angetan. Vor dem Mauerfall reiste er immer wieder in die DDR und nach West-Berlin, wo noch viele der alten Lokomotiven ihren Dienst taten. Dabei entstanden einzigartige Bilder vom Leben in den Städten und in der Provinz, auf Bahnhöfen und an Bahnübergängen. Das Deutsche Technikmuseum in Berlin zeigt 57 seiner Fotografien ab dem 21. Januar in der Sonderausstellung „Alltag an Schienen. Fotografien aus der DDR von Burkhard Wollny“. Die Schau ist ein Beitrag zum Jubiläum von 30 Jahren friedlicher Revolution und Wiedervereinigung.

Bahnfahren gehörte in der DDR zum Alltag. Während sich Westdeutschland nach dem Zweiten Weltkrieg zu einer Autonation entwickelte, blieb Ostdeutschland größtenteils der Schiene treu. Um 1980 wurden im Personenverkehr nach wie vor 40 Prozent der Wege mit dem Zug zurückgelegt. Was aus heutiger Sicht nach einem zukunftsweisenden Verkehrskonzept klingt, galt vor 40 Jahren als nicht mehr zeitgemäß: kleine Bahnhöfe, volle Pendlerzüge und Nebenstrecken bis in die entlegensten Winkel des Arbeiter- und Bauernstaats. Wollnys Bilder schwanken zwischen nostalgischer Eisenbahnromantik und der Alltagsnormalität eines Landes, das verzweifelt versuchte, mit der Moderne Schritt zu halten, durch Ressourcenknappheit und wirtschaftliche Mängel aber vielfach im Gestern verharren musste.

Dampfloks in der DDR zwischen 1970 und 1988

Dampflokomotiven muten heute wie Relikte des 19. Jahrhunderts an. Doch auch bei der westdeutschen Bundesbahn endete der Dampfbetrieb erst 1977. Ein Jahr später verkündete DDR-Verkehrsminister Otto Arndt das Einsatzende für Dampfloks bis 1981. Die zweite Ölkrise in den Jahren 1979/80 verhinderte diese Pläne jedoch und führte zu einer kurzzeitigen Renaissance der Dampflok in der DDR. Erst am 29. Oktober 1988 absolvierte der letzte dampfbespannte Regelspurzug der DDR mit einer Lok der Baureihe 50.35 seine finale Fahrt. Diese gehörte zu den modernen Dampfloks der Deutschen Reichsbahn. Sie wurde aus bewährten Einheitsloks der Vorkriegszeit und aus Kriegsloks mit vielen neuen Bauteilen rekonstruiert.

Neben diesen zwischen 1957 und 1972 entstandenen „Reko-Loks“ gab es in den 1970er Jahren aber auch noch Baureihen, die bereits in der Kaiserzeit entwickelt worden waren. Ein gutes Dutzend davon ist noch im planmäßigen Einsatz und stärkt so als besondere Attraktion den lokalen Tourismus.

Das Alltagsleben an Schienen und Bahnhöfen

1975 beantragte Wollny den „behelfsmäßigen Personalausweis“ für West-Berliner. Nach dem Berlin-Abkommen von 1971 erhielt er damit Tagesvisa für die Einreise in die DDR. Regelmäßig zog es ihn ins Erzgebirge und das Thüringer Bergland mit ihren romantischen Bahnstrecken und Dampfloks unterschiedlicher Baureihen. Durch seine unkonventionelle, aufgeschlossene Art konnte er ungestört fotografieren und kam leicht mit den Leuten, die er beim Fotografieren traf, in Kontakt.

So gelangen Wollny neben den Porträts der allgegenwärtigen Dampfloks auch seltene Einblicke in das normale Alltagsleben auf den Bahnhöfen und neben der Strecke. Dort begegnete er fröhlichen Ausflugsgruppen, spielenden Kindern, gelangweilten Schrankenwärterinnen und Transportpolizisten, aber auch gestrandeten Menschen am West-Berliner Bahnhof Zoo, der von der Deutschen Reichsbahn der DDR betrieben wurde. Oft scheint die Zeit auf diesen Bildern stehen geblieben zu sein. Nur an der Mode und an Details erkennt man die 1970er und 1980er Jahre.

Der Fotograf

Burkhard Wollny wurde 1950 in Freiburg im Breisgau geboren und wuchs in Stuttgart auf. Mit zehn Jahren besuchte er mit seinem Großvater häufig das Bahnbetriebswerk in Stuttgart. Dort fing er an, die Lokomotiven und Züge mit seiner kleinen Kodak Instamatic zu fotografieren. Später bekam er eine Praktika Spiegelreflexkamera geschenkt, mit der ebenfalls viele der Ausstellungsfotos entstanden. Als Bankkaufmann und erfolgreicher Unternehmensberater konzentrierte sich Wollny vor allem in seiner Freizeit auf seine Leidenschaft fürs Fotografieren. Er professionalisierte seine Fotoausrüstung und entwickelte seine Filme selbst. Über die Jahre entstand so ein riesiges Archiv von insgesamt 100.000 Schwarzweißfotos und 96.000 Dias, auf denen verschiedenste Eisenbahntypen, Lokomotiven und Züge zu finden sind.

Burkhard Wollny lebt in der Nähe von Stuttgart und publiziert Kalender und Bücher zum Thema Eisenbahn – zuletzt „Mythos Ostkreuz. Die Geschichte des legendären Berliner Eisenbahnknotens. 1842 bis heute“, das er 2018 zusammen mit Sven Heinemann herausbrachte.